Das Brel ist der Ableger der ab Mitternacht notorisch überfüllten Bar Gainsbourg in der Knesebeckstraße, ein Ort für extreme Nachtvögel und Helden des Anbaggerns. Benannt nach Serge Gainsbourg natürlich, und jetzt das Brel nach Jacques Brel. Frido Keiling aus dem Saarland, und damit naturgemäß dem französischen und belgischen Lebensgefühl nahe stehend, zog in diesem Sommer auf die andere Seite des Platzes und eröffnete ein schönes, großzügiges und bequemes Lokal ohne Schnörkel, aber mit weiträumiger Straßenbestuhlung. Nach neun Monaten Bauzeit sitzt man jetzt mit Blick auf S-Bahn und Platz und kann hervorragende Drinks und exzellenten Kaffee genießen. Statt belgischem gibt es überraschenderweise böhmisches Bier. Das Essen ist nicht so, dass man aus Pankow anreisen würde, aber die solide Bistroküche mit Roastbeef, Kalbsleber, Bratkartoffeln, Zwiebelsuppe ist als Unterlage für Trinkgelage gut geeignet. ( Stimmt ! Esse gerade Steak frittes mit Salat, voellig korrekt! Webmaster )
Außerdem kann man im Brel das kulinarische Minimalprogramm deutscher Junggesellen, Bratkartoffeln mit Spiegelei, bestellen und den frivolen Partyhit aus den 60er Jahren Avocado mit Krabbencocktail. Die Karte variiert, aber Bratkartoffeln und Zwiebelsuppe sind ein zuverlässiges Duett. Und jetzt zum Untertitel des Brel: "Caf' conc'"! Ein Caf'conc' ist eine auch in Frankreich etwas aus der Mode gekommene Institution und schlicht die Abkürzung für "Café mit Concert". Der Wirt Herr Keiling spielt Gitarre, das Klavier steht schon bereit setzte sich in guten alten Tagen nach Laune auf den Tresen, spielte ein bisschen, Stammgäste kamen dazu, man machte gemeinsam Musik. So soll es ab Herbst wieder sein, wenn die Fenster runtergeschoben sind und der Wind über den Platz fegt. Die musikalisch Unbegabten trinken dazu. Dann werden auch Tribut an den Belgier Brel Moules et Frites (Muscheln und Fritten) auf der Tageskarte stehen. Das Brel serviert ab 10 Uhr ein Frühstück, an dessen Gestaltung noch gefeilt wird, ebenso wie an der Speisekarte, die noch nicht den Träumen des Wirts entspricht aber alles ist auf einem guten Weg. Der Ort stimmt, das Konzept ebenso, die Getränke sind Eins a der Rest benötigt noch etwas Geduld. Wie sagen die Franzosen: "Tout finira par aller bien!"
Schönster Platz: direkt an einem der geöffneten Fenster
Bester Cocktail: Gimlet
Bestes Essen: gebratene Blutwurst mit Zwiebeln, Apfel und Kartoffelpüree
Margit Miosga
Quelle: TIP
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